13 April 2010

Winter ade - Risse tun weh


Zwar ist es immer noch (zu) kalt, aber der strenge Winterfrost ist doch vorbei und damit - für dieses Jahr - die Hochsaison der Holzrisse an Gitarren und anderen Instrumenten.
Holz "arbeitet", das heißt: Es reagiert auf Feuchtigkeit und Trockenheit, indem es sich ausdehnt oder zusammenzieht. Da aber die Hölzer eines Instruments einen fest verleimten Korpus bilden und sich nicht beliebig in ihren Ausdehnung verändern können, kommt es bei extremer Trockenheit zu Spannungen, die sich in Rissen "entladen".
Besonders niedrige Luftfeuchtigkeitswerte - das ist vielen Spielern nicht bewusst - gibt es bei uns im Winter. Die kalte Luft kann nur wenig Feuchtigkeit speichern. Wird diese Luft z.B. nach dem Lüften in der Wohnung erwärmt, sinkt die im Raum vorhandene Luftfeuchtigkeit rapide ab. Statt der für Instrumente wie für Menschen bekömmlichen Luftfeuchtigkeit von 50 - 60 % sinken die Werte plötzlich auf 20 - 30 %; das Instrumentenholz zieht sich zusammen und schon ist es passiert.
Besonders häufig treten Trockenrisse im Deckenholz der Instrumente auf, speziell bei Fichtendecken. Typische Trockenriss-Regionen sind die Bereiche neben dem Griffbrett, neben dem Steg und am Unterbug der Gitarre.
Was ist zu tun? Deckenrisse sollten grundsätzlich immer repariert werden. Bei Rissen im Schwingungsbereich der Decke (d.h. unterhalb des Schallochs) sollten die Saiten sofort entspannt und das Instrument möglichst bald instandgesetzt werden. Risse neben dem Griffbrett sind nicht ganz so kritisch, müssen aber längerfristig ebenfalls behoben werden.
Der Gitarrenbauer wird derartige Risse in der Regel "ausspanen". Dabei wird der Riss zunächst mit dem Schnitzer vorsichtig erweitert und begradigt.
Dann wird ein feiner Holzspan genau an die Rissstärke angepasst, verleimt und "verputzt", d.h. an die Deckenfläche angepasst, geschliffen und mit Lack retuschiert.

Und weil's ein harter Winter war, hatten wir mit dieser Art von Reparaturaufträgen einiges zu tun.




Leider gab es im Werkstattumfeld noch andere Winteropfer: Unsere beiden prächtigen Oleander und die (vom Kollegen Michael Sander aus Kernen gezogenen) Zitrusbüsche sind dahin...

31 Dezember 2009

Schönes Neues Jahr!

09 Dezember 2009

Kevin spielt Llobet

Neues von Kevin aus Singapur: Sein Vater schickte uns kürzlich einen Link zu neuen Aufnahmen von Kevin, die er auf seiner Konzertgitarre aus unserer Werkstatt eingespielt hat. Das Instrument aus Fichte und geflammtem Ahorn hat eine Mensur von 630 mm. Kevins Vater erzählte, dass sein Sohn enorm schnell wächst - bisher bietet das Instrument aber durchaus noch genug Entwicklungsmöglichkeiten für ihn. Hier Kevin mit einem Stück von Llobet:





17 November 2009

vor zwanzig Jahren...

...fiel bekanntlich die Berliner Mauer. Ganz Deutschland feierte. Ganz Deutschland? Nein, eine kleine Gruppe enthusiastischer Gitarrenbauer bereitete sich unverdrossen auf die (noch obligatorische) Meisterprüfung in ihrem Beruf vor und wir waren dabei.
Als wir am 19. November mit dem Meisterbrief in der Hand wieder auftauchten, strahlte die Novembersonne und wir mit ihr. Nun, 20 Jahre danach, werfen wir zur Feier des Tages zwar keine aufgereihten Styroporgitarren um und lassen es auch sonst nicht krachen, aber wir blicken vergnüglich zurück auf unseren langen Weg, der vor mehr als dreißig Jahren mit der ersten gemeinschaftlich gebauten Gitarre begann. Gitarre "Nummer 1" gibt es immer noch, sie kommt bei jedem Werkstattfest zum Einsatz, natürlich auch zum zwanzigsten Jubiläum als selbständiger Meisterbetrieb.

24 Oktober 2009

Gitarrenbaukurs

Vor einer Woche haben wir unseren jährlichen sechstägigen Kurs zu Gitarrenbau und -reparatur in Barmstedt bei Hamburg beendet. Es war ein atmosphärisch schöner Kurs, bei dem sehr anspruchsvolle Projekte wie der Bau einer Stahlsaitengitarre mit Cutaway und einer Oktavgitarre ebenso auf dem Programm standen wie Einsteigerarbeiten am vorgefertigten Halsrohling und Arbeiten an Gitarrensattel und -stegeinlage.




Am Tag des Kursbeginns konzertierten Bernd Ahlert und Michael Dossow in der Barmstedter Kirche; außerdem gab's ein Mittagskonzert in der Jugendbildungsstätte, diesmal mit Dusan Oravec, Student an der Musikhochschule Bremen und Schüler von Prof. Bernard Hebb. Auch eine Gitarrenausstellung fand wieder statt; Christof Delor hat die Instrumente - Gitarren von G.K.Hannabach und von uns sowie eine alte Mettal-Gitarre - vorgespielt.
Der unverzichtbare ruhende Pol wie immer: G.K. Hannabach, der diesen Kurs vor nun schon mehr als 30 Jahren ins Leben gerufen hat und den Kursverlauf mit seinem immensen Wissen bereichert sowie mit Erzählungen aus seinem langen Gitarrenbauerleben würzt.



10 Oktober 2009

Die Schallochrosette

Die Rosetten unserer Instrumente fertigen wir individuell an. Neben Vollholzrosetten und Mosaikrosetten, die wir beim Intarsienhersteller nach unseren Entwürfen herstellen lassen, verwenden wir für Rosetten-Unikate Späne und Adern aus unterschiedlichen Hölzern, die einzeln eingelegt werden.
Hier arbeitet Christian an so einer Rosette:


Die Späne müssen sehr genau der Nut angepasst werden, die zuvor aus dem Deckenholz ausgehoben wurde.

Nach dem Einpassen werden die Späne traditionell mit Warmleim eingeleimt.


Hier waren es 18 Einzelspäne und eine Ader.
Und so sieht die Rosette fertig aus:

10 September 2009

Kevin spielt Paganini

Auch Kevin Loh aus Singapur ist schon auf unserer Website zu sehen - und zu hören. Seit Anfang des Jahres ist auch er von der Kindergitarre auf eine größere Konzertgitarre aus unserer Werkstatt umgestiegen. Im August war er auf einem Gitarrenseminar in Frankreich, wo sein Vater dieses Video aufnahm: